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|on my mind| Mein digitaler Fußabdruck

März 20, 2017

Knapp 30 000 Tweets, mehr als 2 000 Bilder auf Instagram und unzählige, teils sehr persönliche Beiträge auf meinem Blog. Das ist alles nur ein Bruchteil meines digitalen Fußabdrucks, denn meinen ersten Abdruck habe ich irgendwann, mit zehn oder elf Jahren hinterlassen, als ich einen virtuellen Reiterhof gegründet und dort meiner Leidenschaft für gutmütige Vierbeiner gefrönt habe. Einige Jahre später, so mit 16, folgten soziale Plattformen, um sich mit Gleichaltrigen zu vernetzen und mein erster Tweet ließ auch nicht lange auf sich warten. Danach saßen meine BFF und ich kichernd über unseren BlackBerrys und zwitscherten, ganz unbedarft, unsere privaten Gedanken in diese Datenblase, die wir Internet nennen.
Meinen Blog habe ich relativ spät, in dem Sommer nach dem Abitur, gestartet und in den letzten Jahren sehr viel im Umgang mit Internet und Privatsphäre gelernt. Zu den Dingen, die ich selber ins Netz stelle, kommen dann noch die Sachen, die ich beruflich produziere. Artikel und Bilder, die von Dritten veröffentlicht werden, aber meinen Namen tragen. Kurz: Mein digitaler Fußabdruck ist riesig. Müsste ich Schuhe für ihn kaufen, würde ich wahrscheinlich in der Abteilung für Übergrößen landen. Aber das ist doch ok, oder?

Mein digitaler Fußabdruck als Damoklesschwert

Die griechische Mythologie lehrt uns, dass es drohende unabwendbare Gefahren gibt, die und zu jeder Zeit überfallen können. Diese Gefahren sind bei jedem Menschen andere und meistens, so wie in meinem Fall, haben wir sie selbst heraufbeschworen. Die vielen Informationen, die ich im Laufe der letzten zehn Jahre über mich im Internet preis gegeben habe, sind alle noch da. Zwar nicht sichtbar, aber gelöscht wird ja bekanntlich nichts.
Zu diesen Informationen gehören politisch nicht korrekte Äußerungen oder Bilder, auf denen ich blöd aussehe. Kanzlerin kann ich nicht mehr werden. Zwar gibt es nichts, was mir wirklich peinlich oder beschämend ist, aber was ist mit den anderen Menschen? Potentielle Arbeitgeber finden meinen Blog vielleicht nicht gut, mögen nicht, wie ich mich auf Twitter inszeniere und haben keine Lust, dass sie in irgendeiner Form auf meinem Instagram-Profil auftauchen. Mein digitaler Fußabdruck wird dann zu einem Problem, wenn er mir zukunftsweisende Optionen versperrt, wenn Menschen sich ein Bild über mich machen, obwohl sie mich noch nie persönlich getroffen haben oder wenn Wildfremde wissen, was ich beruflich mache, was mich begeistert und wo ich zu Hause bin. Diese Gefahren habe ich natürlich, zumindest als ich meinen jugendlichen Leichtsinn hinter mir ließ, einkalkuliert und bin mir diesen Aspekten Tag für Tag bewusst.
Das ist wohl auch das Wichtigsten, wenn es um dieses Schwert über uns geht: Man muss sich seiner Anwesenheit bewusst sein, es einschätzen können und daran denken es nicht unnötig zu provozieren.

Mein digitaler Fußabdruck als Referenz

Es gibt zwar auch Gegner von großer Internet-Affinität, aber viel öfter war mein Blog mir eine Hilfe. Je nach Ausschreibung ist mein digitaler Fußabdruck eine wichtige Referenz von mir, die mein textliches und bildliches Verständnis sowie meine Fähigkeit eine eigene, kleine Redaktion zu leiten belegt. Auftraggeber mit digitalem Verständnis und Weitblick erkennen die Kostbarkeit dieser Online-Erfahrung und freuen sich über die Zeit, die man online verbringt. Es gibt sogar Menschen, die von diesem Erfahrungsschatz lernen wollen und Blogger nach Rat bezüglich ihrer Onlinepräsenz fragen.
Neben der klassischen Referenz, die man im Lebenslauf oder in Vorstellungsgesprächen thematisiert, verbindet dich die digitale Welt mit den Leuten, die deine Interessen und Ansichten teilen, die dir ähnlich sind und mit denen du, ganz egal ob beruflich oder privat, zusammenpasst. Ich habe unzählige Kontakte über das Internet geknüpft, die dann Realität geworden sind. Es sind Freundschaften entstanden, die ich nie wieder hergeben möchte. Die positiven Seiten meines digitalen Fußabdrucks überwiegen die Nachteile bei weitem und ich bereue keinen einzigen Snap, keinen Post und keinen Tweet. Naja, vielleicht diesen einen, in dem ich über jemanden gewettert habe und das wiederum zu einem wutentbrannten Anruf bei einem meiner Redakteure führte. Aber den auch nur ein kleines bisschen.

Mein digitaler Fußabdruck als persönliche Erinnerung

Mal ganz von dem beruflichen Mehrwert abgesehen, ist das Internet für mich ein wichtiges Instrument, um mein eigenes Leben zu konservieren, mich an Ereignisse aus meinem Alltag zu erinnern und meine Entwicklung in Wort und Bild festzuhalten. Ich freue mich über die markanten Eckpunkte, die ich alle mit euch geteilt habe und über die Erinnerungen, die ich erst durch meinen digitalen Fußabdruck sammeln durfte. Es hat sich so viel ergeben, das ich ohne Internet nicht erfahren hätte. Deswegen bin ich froh über diese vielen Treffer bei Google & Co.

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2 Comments

  • Reply Anna März 27, 2017 at 11:29 am

    Liebe Flora,

    ein sehr interessanter Beitrag, vielen Dank dafür!

    Ich finde es ein wenig schade, das im Moment so wenig kommentiert wird auf deinem Blog obwohl die Beiträge so wunderbar wie immer sind, deswegen lass ich einen kleinen, sonnigen Gruß da!

    Liebe Grüße
    Anna

  • Reply [Bloggestöber]: #4 – Springtime! April 11, 2017 at 4:07 pm

    […] Fussabdruck] Auf ihrem Blog rothaariges macht sich Flora Gedanken zu ihrem Digitalen Fussabdruck. Dieser Beitrag ist spannend zu lesen und noch interessanter ist es, sich selbst einmal zu fragen, […]

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